Gesetzesentwurf zur Versicherungsrichtlinie führt zu heftiger kritik

    Versicherungsmakler und Interessenverbände der Industrie laufen sturm

    Mit einem Gesetzesentwurf des Bundeswirtschaftsministeriums soll die europäische Versicherungsrichtlinie in deutsches Recht umgesetzt werden, wonach vorgesehen ist, dass alle mit der Versicherungsvermittlung beschäftigten Unternehmen, also auch Versicherungsmakler, nur durch den Versicherer bezahlt werden dürfen.

     

    Obwohl ja eigentlich der Verbraucherschutz bei diesem Gesetzesentwurf Pate stand, erscheint dieses pauschale Vorgehen in der Tat als ein Rückschritt von der, zumindest in der Industrieversicherung langsam zunehmenden, Transparenz der Vergütung der Versicherungsmakler zu sein. Die direkte Abhängigkeit eines Maklers von der Provisionszahlung eines Risikoträgers sollte eigentlich der Vergangenheit angehören. Es wird doch an und für sich eher erwartet, dass irgendwann skandinavische Verhältnisse einziehen, nach denen den Maklern jegliche Provisionsannahme von den Versicherern verboten wird und der Makler ausschliesslich nur noch ein Betreuungshonorar als Vergütung vom Kunden erhält. Damit könnten die Kunden absolut sicher sein, dass ihr Makler die Risiken völlig unbeeinflusst von eventuellen Provisionen am Versicherungsmarkt platziert.

     

    Sogenannte "Nettopolicen", die seit vielen Jahren bei großen Industrieunternehmen praktiziert werden und bei denen anstelle der in den Prämien enthaltenen Provision vom Makler ein Honorar erhoben wird, mit dem Effekt, dass damit auf die Maklervergütung keine 19% Versicherungssteuer mehr anfällt (das Maklerhonorar ist zudem noch Mehrwertsteuerfrei), wären nach dem Gesetzesentwurf nicht mehr möglich. Insofern ist der Sturm der Entrüstung des Gesamtverbandes der versicherungsnehmenden Wirtschaft durchaus zu verstehen, da der Industrie damit kein Vorteil verschafft würde.

     

    Aber wer weiß schon genau, welche Kräfte da wirken und ob tatsächlich nur der Verbraucherschutz der Treiber ist . Es könnte natürlich auch vermutet werden, dass der Bund bei dieser geplanten Änderung ganz andere Interessen verfolgt. So wurden durch die Vereinnahmung von Versicherungssteuer zwischen 2009 und 2011 jährlich rd. 10 Milliarden Euro eingenommen. Mit der seit Jahren durchgeführten und zunehmenden Nettoisierung von Verträgen bei den Industrieversicherungen entgehen dem Bund viele Millionen Euro, die mit diesem Gesetz nunmehr neu in die Kassen gespielt würden. 

     

    Nicht alle Versicherungsmakler dürften sich nach Ansicht des Verfassers einheitlich dem Aufschrei des Maklerverbandes anschließen. So bemängeln doch viele Makler die, nicht zuletzt mit der Einführung der Nettopolicen und aggressiverem Maklerwettbewerb einhergehenden und im Vergleich zu früher, deutlichen Reduzierung der Makler-Vergütung, die nun auch noch im Wettbewerb vom Kunden transparent verglichen werden kann. Diesbezüglich war die Welt für die Makler in der Vergangenheit doch deutlich "goldener", als die Vergütung noch automatisch mit Prämienerhöhungen stieg und von den Kunden noch nicht thematisiert wurde, geschweige denn, dass diese mit anderen Maklern verglichen werden konnte, weil sie bereits in den Versicherungsprämien enthalten war. Insofern ist die Forderung der Makler nach Transparenz und Abkehr von der Verprovisionierung durch die Versicherungsgesellschaften nach Ansicht des Verfassers zwiegespalten. Nicht nur, weil sehr viele, der von den Makler betreuten, Versicherungsverträge immer noch courtagebasiert vergütet wird, sondern auch, weil einzelne Makler, angesichts sinkender Erträge, selbst immer wieder Wege suchen und finden, um neue Einnahmequellen durch Provisionen (wie diese dann auch immer genannt werden) von Versicherern zu generieren. Hier sollte nach Ansicht des Verfassers noch größere Transparenz der Makler gegenüber den betreuten Kunden stattfinden.

     

    Im Interesse der Industriekunden, der Transparenz und Qualität der Beratungsleistungen der Versicherungsmakler stimmt der Verfasser jedoch damit überein, dass der Gesetzesentwurf unbedingt gestoppt werden sollte.

     

    Ralf Zühlke

     

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